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Erweiterungsbau Kubus/Titan
115 Jahre nach seiner Gründung weiht das Historische Museum Bern seinen dringend benötigten Erweiterungsbau Kubus/Titan nach rund dreijähriger Bauzeit am 4. September 2009 ein. Ein historischer Moment für die Museumsverantwortlichen, denn das Erweiterungsprojekt blickt auf lange Planungsphasen zurück. Bereits in den 1920er Jahren wurde der Platzbedarf angemeldet. Mehrere Projekte scheiterten jedoch an zu grossem Anspruch und zu knappen Mitteln der öffentlichen Hand. 1997 setzte die Museumsleitung unter der Federführung von Direktor Peter Jezler zu einem Neubeginn an. Die Projektgrösse wurde an das politisch Machbare angepasst. Aus den primären Befürfnissen des Hauses heraus wurden die Anforderungen an den Neubau eingegrenzt und definiert. Den international ausgeschriebenen Architektur-Wettbewerb entschied das junge Büro :mlzd aus Biel für sich. 2005/06 stimmten die drei Träger des Museums, der Kanton, die Stadt und die Burgergemeinde Bern dem Baukredit zu.
Eindrückliches Zusammenspiel von Form und Funktion
Der Bau des Architekturbüros :mlzd Biel besteht aus drei Teilen, nämlich zwei unterirdischen Depotgeschossen, einem 1200 m2 grossen Ausstellungsbereich und einem darüber aufragenden, breiten Büroturm. Dieser wird südseitig von einer kunstvoll strukturierten und kristallin geschnittenen Betonhaut ummantelt. Nordseitig spiegelt eine Vollglas-Fassade den gegenüberliegenden schlossartigen Altbau von 1894. Der spannungsvolle Dialog zwischen den Kubaturen von alt und neu entfaltet sich in respektvoller Distanz. Dies dank einem dazwischen liegenden rund 1000m2 grossen Platz, der zugleich auch das Dach des grossen Ausstellungssaals bildet. Über diesen Platz sind die beiden Parkareale vor und hinter dem Museumsschloss miteinander verbunden. Eine breite, skulptural gebrochene Freitreppe führt in grosser Geste auf den tieferliegenden, rückwärtigen Museumspark hinab.
Neben dem Historischen Museum ist auch das Stadtarchiv Bern im Neubau untergebracht. Das Projekt wurde auf der Basis einer intensiven Funktionsanalyse des Museums und des Archivs entwickelt, welche die Grundlage für den Architekturwettbewerb bildete. Aus dieser Form der Projektentwicklung resultierte eine Optimierung der Nutzungsfunktionen und eine weitgehende Beschränkung auf das wirklich Notwendige.
Die veranschlagten und im Jahre 2004 von den Stiftungsträgern zu je einem Drittel bewilligten Kosten haben 25.8 Mio. Fr. betragen. Die Abrechnungssumme, einschliesslich einer Teuerung von 1.7 Mio. Fr., wird um ca. 2.6 Mio. Fr. höher liegen. Verglichen mit grossstädtischen Museumsprojekten ist dies ein geringer Mitteleinsatz. Gemessen an Gestus, Funktionalität und Möglichkeiten darf sich der Erweiterungsbau jedoch auch in einem internationalen Vergleichsfeld unter die gelungensten Projekte der letzten Jahre reihen.
Vielseitig nutzbarer Wechselausstellungssaal
Im Wechselausstellungssaal nimmt sich die Architektur völlig zurück und überlässt als leeres Bühnenhaus die Gestaltwerdung weitgehend den Ausstellungsmachern und der Szenographie. Wie flexibel der Raum unter dem museumsintern entwickelten Wandsystem genutzt werden kann, zeigten bereits die ersten völlig unterschiedlich konzipierten Ausstellungen.
Oberstes Ziel: präventive Konservierung
In den Depoträumen im Untergeschoss ist die präventive Konservierung das oberste Ziel. Erfahrungsgemäss ereignen sich im Museumsbetrieb die meisten Schadensfälle bei internen Transporten. Durch Konzentration der wichtigsten konservatorischen Prozesse lassen sich die Transportwege zwischen Depots, Fotografie und Ausstellungsraum im neuen Kubus/Titan minimieren. Die Raumstruktur der Depots ist so angelegt, dass eine Klimakonstanz selbst bei mehrtägigem Energieausfall gewährleistet ist.
Die Arbeitsräume für die wissenschaftlichen Abteilungen des Museums und des Stadtarchivs sind funktionell und gewinnen ihren Reiz aus dem grandiosen Ausblick auf das alte Museumsschloss und die Berner Altstadt.
Mit seiner markanten Wirkung gegen aussen beweist das Gebäude, dass auch bei haushälterisch eingesetzten Mitteln durchaus eine Kombination von urbanem Auftritt und erstrangiger Ausstellungsfunktionalität möglich ist. Weder das British Museum noch das Deutsche Historische Museum Berlin verfügen derzeit über einen vergleichbar grosszügigen Wechselausstellungsbereich. Mit dem Neubau können nun die Hauptaufgaben des Museums, die Konservierung (Depots), die Forschung (Arbeitsplätze für die wissenschaftlichen Abteilungen) und die Vermittlung (Bereich für Sonderaustellungen) optimal erfüllt werden.
Das Historische Museum Bern dankt allen, die das Projekt Kubus/Titan gefördert haben:
- der Abegg-Stiftung in Riggisberg für den Initialbeitrag
- dem Kanton, der Stadt und der Burgergemeinde Bern für den Baukredit
- dem Förderverein des Museums und einem Gönner für die Vitrinen und Beleuchtung
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